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Sie haben sich einen Jugendbuchklassiker ausgesucht, und das hat sich gelohnt. Mit William Goldings „Herr der Fliegen“ haben die „Kukis“ der Herborner Heimatspieler ein Ausrufezeichen gesetzt.

Die jüngste Gruppe des Vereins erzählt die Geschichte einer Jugendgruppe, die in den Wirren des Krieges mit einem Flugzeug auf einer Insel abstürzt und sich dabei zu einer gesetzlosen Gemeinschaft mit blutrünstigen Instinkten entwickelt.

Das für die Bühne bearbeitete Werk ist die zweite größere Produktion des Ensembles unter der Leitung von Christopher und Britta Großmann. Wahrlich kein leichter Stoff, den Ausbruch nackter Gewalt in einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die es ohne Erwachsene auf eine einsame Insel verschlagen hat, so darzustellen, dass dabei weder hysterische Exaltiertheit, noch wilde Raserei die Oberhand gewinnen. Stattdessen bestimmen die kühle Ratio zwischen Gut und Böse, zwischen Vernunft und roher Gewalt das Geschehen.

Vergeblich versuchen die jungen Leute in dem vermeintlichen Paradies ohne Erwachsenen, eine gewisse Ordnung aufrecht zu erhalten. Doch der Kampf um die Herrschaft auf der Insel wird immer brutaler, die Meinungsverschiedenheiten werden immer größer.

Die für zivilisiertes Verhalten und Solidarität eintretende Robin, mit viel Gespür für feine emotionale Regungen von Elena Ziegler gespielt, steht der geltungssüchtigen und alle anderen dominieren wollenden Alex gegenüber. Elina Sidorow schlüpft perfekt in die Rolle dieser Jägerin , die als das personifizierte Böse auf der Bühne agiert.

Gespannt folgt man als Zuschauer dem Geschehen, das in einer Gewaltorgie endet, der zunächst Simona, mit all ihren Ängsten und Zerrissenheit, bestens dargestellt von Jule Hartmann, zum Opfer fällt. Sie erkennt als Einzige, dass das „wilde Tier“ in ihnen sitzt und wird grausam niedergemetzelt in einem ekstatischen Tanz.

Weitere Vernünftige, wie die kurzsichtige Piggy (vorzüglich gespielt von Amelie Wöhler), werden am Ende unter dem Gejohle der anderen grausam umgebracht, ehe ausgerechnet ein Erwachsener die Gewaltorgie beendet.

Der Streit mit einer wilden und aggressiven Gruppe, der es nur um ein angenehmes Leben ohne Regeln geht und in einem brutalen Kampf um die Vorherrschaft mündet, erweist sich in der Kukis-Inszenierung als ein verstörendes und zugleich mitreißendes Theatererlebnis, an dem alle Akteure – auf und hinter der Bühne gebührenden Anteil haben.

Goldings „Der Herr Fliegen“ aus dem Jahre 1954 ist eine Parabel auf die Verletzlichkeit unserer Kultur und wirft seit seinem Erscheinen für jede Generation bedrängende Fragen auf: Warum neigen Menschen zu Gewalt? Ist der Mensch ursprünglich gut oder böse? Wie lässt sich Demokratie erlernen?

Dass das Wagnis gelang, sich diesem brisanten Stoff um die Frage des Bösen im Menschen glaubwürdig darzustellen, wertet die Herborner Inszenierung absolut auf.

(Fotos: Gert Fabritius)

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

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