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Er ist einer der Shootingstars der deutschen Kleinkunstszene. Warum? Das erkannte das zahlenmäßig leider nur kleine Publikum in der Kulturscheune schnell. Nektarios Vlachopoulos hat einiges zu sagen – poetisch und pointiert.

Der frisch gebackene Träger des Deutschen Kabarettpreises nahm die Besucher mit in seine Gedanken- und Erfahrungswelt. Aufgewachsen an der Grenze zwischen Baden und Württemberg sind Entscheidungen seine Stärke nicht. Aber er weiß: „Defizite kann man durch geschickte Rhetorik schnell zur eigenen Stärke verwandeln.“

Ob ihm das im Studium und in seinen knapp drei Jahren im Lehrerberuf geholfen hat? Man weiß es nicht, aber seine Geschichten aus dieser Zeit, in denen das Thema Migration auf äußerst humorvolle Art verarbeitet wird, deuten darauf hin.

Der Rechtsruck der bürgerlichen Gesellschaft – er treibt auch Vlachopoulos um, etwa in seiner Geschichte „Was ist los mit dir, du Otto?“ Und da macht er schnell klar, was er von den besorgten Bürgern, die um ihren Wohlstand fürchten, hält. Dass ausgerechnet Menschen, die von Geburt an zu den privilegierten zehn Prozent der Weltbevölkerung gehören und dafür gar nichts können, sich Sorgen um das persönliche Wohlergehen machen, findet er nur semioriginell. „Jeder, der Deutsch als Fremdsprache lernt, hat mehr Leistung gebracht als jemand, der nur auf seine Abstammung setzt.“

Nektarios Vlachopoulos, in dem man gerne ein Musterkind der Multikulturalität vermutet, der aber viel deutscher ist als die meisten seiner Freunde, kann auch gesellschaftskritisch, findet dabei aber immer Auswege ins Abstruse. Mit Blick auf die Billig-Ernährung und den Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch stellt er fest: „9/11 hat rein rechnerisch zwei Millionen Hühnchen das Leben gerettet .“

Religionen aller Welt, vereinigt euch. „Beten wir zu Buddha, Yoda, Juno, Wotan, Jahwe, Jesus, Venus, Rhenus, Allah, Brama, Rama, Rah, Mars, Satan, Nanna, Gaia, Maia, Mao, Tao, Shao, Khan, Shiva, Krishna, Kali, Shakti, Horus, Kronos, Loki, Odin, Isis, Thor, Osiris, Bör, Jupiter und Lucifer." Vorgetragen binnen Sekunden, ein jeder Logopäde würde sich freuen.

Aus gespielter Sicherheit entstehen die größten Fehler – spricht’s und startet in den zweiten Teil der Show mit einem herrlichen Duett. Was das Gehirn denkt und der Mund sagt – das ist nicht immer deckungsgleich und wird – mit Hilfe des Publikums sicht- und hörbar.

Der studierte Deutschlehrer kommt auch durch, wenn er zum literaturwissenschaftlichen Parforceritt durch die Jahrhunderte ansetzt: Liebeslyrik vom Minnesang bis zur Moderne – aber merke: „Ne Instantformel fürs Gedicht gibt's nicht.“

Der Mann „mit griechischem Integrationshintergrund" kann auch abgedreht. „Es war einmal ein Hund, der war nicht ganz gesund. Er lag verschlossen hinterm Tor und teilweise davor.“ Und dass die digitalisierte Welt nicht nur Vorteile hat, ist auch klar. „Wir können alles, aber wir machen nichts daraus!“

Ganz großes Kino sind dann seine beiden Schlussnummern. Wenn er vermeintlich einfach nur einen Witz erzählen will, bei dem sich Angehörige verschiedenster Nationalitäten und ethnischer Minderheiten nach einem Terroranschlag beim Kehrwochen-Fegefeuer treffen, dann ist das politisches Kabarett mit der Rasierklinge. Sie diskutieren über ihre verbliebenen Optionen, präsentieren alle Klischees, um sie zugleich ad absurdum zu führen. Großartig!
(Fotos: Gert Fabritius)

 

 

 

 
Autor
Jörg Michael Simmer

jms2016

Jörg Michael Simmer ist seit 2001 Vorsitzender des Vereins "Herborner Heimatspiele e.V.", dem er seit seiner Gründung 1990 angehört. Er ist für die Programmzusammenstellung in der Kulturscheune verantwortlich und seit 1984 aktiver Schauspieler.
 

 

 

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