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Quichotte sowie Sven Garrecht & Band waren die Wettbewerber fünf und sechs im diesjährigen Rennen um die Schlumpewecks. Auf die Entscheidung, wer sich Preisgeld und Trophäen sichert, darf man gespannt sein.

Er ist Lehrerkind und hat selbst in diesem Beruf gearbeitet. Tief im Herzen ist Quichotte aber ein Rapper. Doch nicht nur seine Eltern wissen: „Rapshit über 30, das ist nicht cool!“ Höchste Zeit also zu akzeptieren, dass der Zahn der Zeit mit 34 Jahren an einem nagt. Zwischen Generationenvertrag und Geheimratsecken da lauert es, das sichere Zeichen in der Bürgerlichkeit angekommen zu sein: die erste Pauschalreise.

Grölende Sportler des „SC Castrop Rauxel“ mit Trainingsanzügen aus Ballonseide, Croqs und braunen Socken – der Alptraum bekommt in Quichottes Geschichten ein Gesicht. Und zwar ein höchst unterhaltsames. „Politisches Kabarett ist schwierig“ sagt er, um dem seine ganz eigene Sicht der Dinge entgegenzuhalten. „Das größte ist das Leben“ sagt ein Soldat in seinem gleichnamigen tiefgehenden Text. Frieden muss für ihn keine Utopie sein, denn „den Soldat kann man töten, die Idee nicht.“

Für frischgebackene Eltern, die ihren bisherigen ungezwungenen Lebensstil vermissen, hat er den nicht ganz ernst gemeinten Rat parat „Gebt die Kinder ins Heim!“, bevor ihn die Frage umtreibt, ob „Multikulti“ in Deutschland überhaupt geht. Seine beeindruckende Antwort ist „Das Orchester“ - Instrumentalisten aus der ganzen Welt sitzen im Bundestag und bringen den (deutschen) Körper zum Klingen.

Töne gibt es auch bei Sven Garrecht reichlich und noch dazu sehr harmonische. Der Seligenstädter, der weiß „Tut mir leid mein Schatz, ich bin ein Schwiegermutterschwarm“, jazzt und swingt sich, begleitet unter anderem von Simon Seipel an Gitarre und Geige durch den Abend. Unnachahmlich: seine Beschreibung eines alternden Gigolo-Verschnitts in „Kleinstadt Tiger“, der mit einer „Mischung aus zu enger Hose und neuer Hüfte“ versucht die Frauenwelt zu erobern.

Wollte man das typisch deutsche Schubladendenken bemühen, dann müsste man eine Melange von Garrechts Lausbubencharme, gewürzt mit einer Prise Götz Alsmann, einer Portion Roger Cicero sowie der textlichen Leichtigkeit eines Udo Jürgens hervorheben.

Man kann aber auch ganz einfach von einem guten Musiker sprechen, der gerade dabei ist, sich ein ganz eigenes Terrain im großen Feld der Kleinkunst zu erobern. „Wer war eigentlich diese Elise, die von Beethoven so verehrt wurde?“ Sven Garrecht geht dieser Frage auf den Grund, um dann zu beklagen, dass das Alter auch bei ihm Spuren hinterlässt. Nach dem beginnenden Haarausfall ist klar: „Ein Teil von mir hat Abschied genommen.“

Garrecht kann aber auch humorvoll. Sein Liebeslied an eine „Politesse, deren Po ich nicht vergesse“ wandelt er in Zeiten von „Me too“ einfach um in „Wenn ich mit Tobi esse, brauch‘ ich ne Knobi-Presse.“ Dem Publikum gefällt’s und es singt willig mit, ehe am Schluss bei „Lieb‘ mich analog“ die Erkenntnis steht: Bei manchen Dingen ist weniger einfach mehr.

Ob dieser Auftritt für einen Preis gereicht hat und wer die Trophäen letztlich mit nach Hause nimmt – heute Abend ab 20 Uhr wird diese Frage bei der Preisverleihung des 11. Herborner Schlumpeweck beantwortet, die von Lars Redlich (selbst Preisträger des Jahres 2013) moderiert wird.
(Fotos: Gert Fabritius)

 

 

 
Autor
Jörg Michael Simmer

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Jörg Michael Simmer ist seit 2001 Vorsitzender des Vereins "Herborner Heimatspiele e.V.", dem er seit seiner Gründung 1990 angehört. Er ist für die Programmzusammenstellung in der Kulturscheune verantwortlich und seit 1984 aktiver Schauspieler.
 

 

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