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Wie man klassischen Monumentalwerken die Ernsthaftigkeit entzieht, das haben die „Schlumpeweck“-Gewinner von 2016, „Les Papillons“, bei ihrem Auftritt in der KuSch erneut eindrucksvoll demonstriert.

Dabei haben sich Giovanni Reber (Violine) und Michael Giertz (Piano) wieder zum Ziel gesetzt, rund 100 Hits aus Klassik, Film, Rock und Pop zu einem wilden „Concerto Grosso“ zu vereinen. Ihre Jagd auf Ohrwürmer im Notenwald der Musikgeschichte war jedenfalls ganz nach dem Gusto des begeisterten Publikums.

Man freue sich, wieder in Herborn aufspielen zu können, erklärte das Schweizer Duo, das sich ansonsten nicht mit langen Vorreden aufhielt und mit großem Spielwitz und atemberaubender Virtuosität „in medias res“ ging. Mit einem Adagio des venezianische Komponisten Tomaso Albinoni, eröffneten Michael Giertz und Giovanni Reber ihre musikalische Schatzkiste.

Dass es dabei nicht blieb, sondern die erste Hitparade aus Klassik, Pop, Rock, Jazz und Filmmusik an das Ohr des Zuhörers gedrückt wurde, war zu merken, als man – meist vergebens – versuchte, die Titel aller angespielten Themen von Mozart bis zu wildem Csárdás und Rock zu erkennen.

„Les Papillons“, die locker klassische Monumentalwerke (ohne Schweizer Langsamkeit) spielten, sangen und auch tanzen und ihnen dabei die Ernsthaftigkeit entzogen, ließen Vivaldis Winter-Largo aus „Die vier Jahreszeiten“ in Mozart-, Tango- und Reggae-Versionen erklingen, um letztlich zu konstatieren, dass auch in der Musik vieles nur geklaut ist. Die Arrangements der „Schmetterlinge“ waren jedenfalls original und originell.

Ob Nationalhymnen, katholische Exerzitien, der Trauermarsch von Chopin, Queens „Somebody To Love“ oder ihre „Go West“-Variationen – die Klasse, mit der die Herrn in ihren himbeerroten Fräcken die Pianotasten und Violinensaiten bestrichen, war schier berauschend und stets gewürzt mit einer Prise Theatralik und subtilen Humor.

Der Zuhörer schwelgte im Rausch der Melodien und Evergreens aus Tschaikowski-Balletten, Soul-Hits von James Brown oder Michael Jackson oder gab sich dem wilden Cancan hin. Und nur bei ihnen vereinigt sich mühelos Dr. Albans 90-er Jahre-Kracher „Sing Hallelujah“ mit „Highway to hell“ von AC/DC. Oder „Sunny“ und der „Final Countdown“ werden plötzlich Brüder im Geiste der Musik.

Mit „Patchwork Classics“ hielten „Les Papillons“ der der Musikwelt einen kreativen Spiegel vor – und verneigten sich zugleich vor ihr. Dafür gab es frenetischen Applaus, der von der Paganini-Reinkarnation Giovanni Reber und dem Piano-Zampano Michael Giertz (beide tauschten zwischendurch auch einmal die Rollen) mit Zugaben wie „Just A Gigolo“ quittiert wurde.
(Fotos: Gert Fabritius)

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

 

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