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Das war ein Start nach Maß: Zum Auftakt der Kabarettbundesliga in der KuSch gab es österreichische Liedermacherkunst mit Biss sowie eine charmante und hintersinnig plaudernde und singende Niederbayerin.

Der Kabarett-Bundesliga-Spielführer Theo Vagedes machte keine falschen Versprechungen, als er Georg Clementi & Band und Andrea Limmer am Donnerstagabend dem „KulturScheune“-Publikum in Herborn ankündigte.

Mit seinen „Zeitliedern“ feiert der österreichische Liedermacher, Chansonnier, Geschichtenerzähler, Verzauberer und Percussionist Clementi große Erfolge. Als Stimmungsmacher der anderen, ganz besonderen Art, nahm er auch die Zuhörerschar in der „KulturScheune“ mit auf außergewöhnliche musikalische Reisen. Begleitet von der Akkordeonistin Bojana Popovicki und dem Gitarristen Ossy Pardeller bekannte er in seinen eindrucksvollen, mit stimmlicher Eleganz und sportlichem Bewegungsdrang vorgetragen Liedern, dass es wichtig ist, Haltung zu zeigen.

Egal welche Rolle er in seinen Liedern darstellen möchte, in jeder geht er auf und präsentiert poetische Bilder des Zeitgeschehens. „Ich muss anders oder gerade so sein wie alle anderen“, konstatierte Clementi und setzte sich mit dem Leben seiner Eltern und Großeltern auseinander, die in ihren Zeitschleifen gefangen sind und nicht mehr aus ihren alten Gewohnheiten herauskommen, als Hippies, Rocker oder Chakra-Apostel.

Man geriet mit dem Liedermacher ins Träumen, ließ sich von den wunderschönen Melodien, den melancholischen Tango-Rhythmen und der hohen Musikalität seiner Begleitband mitreißen und zum Mitmachen gegen Mittelmaß und gesellschaftliche Apathie und Ausgrenzung animieren. Für Clementi ist der Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit, Faschismus und Gewalt ein hohes Gut. Er traf damit ins Hirn und unter die Haut des Publikums. Und angesichts des Klimawandels, der uns bald verdampft, mahnte der Liedermacher zur Eile: „Morgen wird schon alles vergehen.“

Rasend schnell unterwegs war anschließend das nicht gerade große niederbayerische Energiebündel Andrea Limmer unterwegs, das einen ganz großen Auftritt hinlegte. Zwar kündigte sie das „Schweigen der Limmer“ an, doch für ihr Publikum brach sie ihr Schweigen. Charmant und hintersinnig plaudert die aufstrebende „Ratschkathl“ (in der bayerischen und österreichischen Sprache ein Synonym für eine geschwätzige weibliche Person) über die großen Geschehnisse der Zeit, sang zum Klang der Ukulele über „Quickies statt Blitzkrieg“ und sinnierte über „Watschnbäume“ und „Pumuckelwurst“.

Limmer hätte es wahrlich verdient, ins Fernsehen zu kommen. „Ich denke über das Fernsehen nach, wie jeder Kabarettist, der noch nicht drin war“, sagt sie und wartet mit niederbayerischer Folklore der ganz speziellen Art auf. Natürlich ist es für sie nicht leicht, sich aus der Region der „emotionalen Schlaganfälle“ herauszuwinden, und den Blick fürs große Ganze zu finden: „Es ist schon nicht leicht für uns arme Niederbayern, wenn wir mal nach München fahren und feststellen müssen, dass uns die Enten das Brot zuwerfen.“

Die „Limmerin“, die in sich die besten Traditionen anarchisch-bayerischen Humors birgt, lehrt den Deppen und Ewiggestrigen ordentlich Mores. Der Irrsinn der Welt ist für das Energiebündel ein dankbares Terrain, das es zu beackern gilt.

Die „Limmer Andrea“ hat Zukunft und jetzt schon einmal die Herzen des Herborner Publikums gewonnen, das ihr am Ende mit knapp 56 Prozent der Stimmen den Sieg im ersten Wettbewerbsabend in der „KulturScheune“ zusprach.
(Fotos: Gert Fabritius)

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

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