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Wie man Comedy mit Witz und Charme unter einen Hut bringt – das hat der Berliner Michael Hatzius in der Kulturscheune gezeigt. Er tourt mit seinem Programm „Echstasy“, in dem eine altkluge Echse die Hauptrolle spielt.

Schmatzend, knurrend, fauchend, kündigt sich das von Michael Hatzius dirigierte Reptil voll Erfahrungen, Geschichten und Weisheit hinter der Bühne an. Doch zuvor muss die Mohrrüben-Security einen knabberfreudigen Rammler zurechtweisen, der das Hauptkabel durchgebissen hatte. „Ich bin Star. Ich liebe Herborn“, mit diesen Worten betritt das Reptil, Zigarre rauchend, schließlich die Bühne, um zunächst über die Bärenstadt und den Rest der Republik herzuziehen: „Es gibt ausreichend Konditoreien, das reicht für den Tortenstrich im Zentrum von Herborn.“

Vollständig erleuchtet und bestens ins Licht gerückt durch den mehrfach preisgekrönten Puppenspieler Michael Hatzius, der gekonnt hinter der Aura des großmäuligen Reptils zu verschwinden scheint, bekennt die Echse: „Ich bin niemand, der Vorurteile hat“, nur um sie anschließend fleißig zu bedienen. Aber wo sie Recht hat, hat sie Recht. Überflüssig zu erwähnen, dass die Puppe von ihrer Allwissenheit total überzeugt ist. Das Angebot, Papst zu werden, lehnte sie ab: „Ich arbeite da ja quasi als mein eigener Stellvertreter!“ Und von Kreuzzügen hält das Reptil eh nichts, dafür viel von Kreuzfahrten.

Das quatschende Vieh, das als einziges den Meteoriteneinschlag vor 65 Millionen überlebt hat, besucht per Videoeinspielung seine versteinerten Angehörigen im fast vergessenen DDR-Freizeitpark Spreepark Plänterwald. Und dann präsentiert Michael Hatzius auf der Kusch-Bühne eine Entenparade, in der die Batman- und Spiderman-Ente und die Drachenente gegen das allmächtige Kapital und seine politischen Repräsentanten ankämpfen.

Spitzzüngig sind „Ihre Exzellenz Echse“, die zu einer bissigen, manchmal bösen, aber stets humorvollen Audienz bittet. Das Publikum wird ausdrücklich mit einbezogen, was natürlich auf der Bühne und im Zuschauerraum für „echsquisite“ Improvisationen sorgt.

Während die allwissende, mürrisch-charmante Echse wie immer großmäulig neue Anekdoten aus ihrem bunten Leben zum Besten gibt und dabei auch nicht den entlegensten Winkel unmöglicher Gedankengänge auslässt, beklagt sich die Zecke über ihr bedauerliches Leben: „Mit mir will keiner was zu tun haben.“

Und auch die traurige Mär eines schüchternen Huhns, das von der Echse vor dem Schreddern bewahrt wird – unter der Maßgabe täglich ein Spiegelei zu legen – rührt die Herzen der Zuschauer, die von der „Echstasy“- Show des Michael Hatzius begeistert sind. Es war ein Abend der Lach- und Herzmuskeln aufs Heftigste strapazierte. Und das war auch gut so.

(Fotos: Gert Fabritius)

 

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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