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Wenn Jochen Malmsheimer auf einem Plakat drauf steht, dann ist auch Jochen Malmsheimer drin. Im Programm. Auf der Bühne. Wortgewaltig. Hintersinnig. Kurz: Eine Sternstunde aberwitziger Formulierungskunst.

Stimmgewaltig, brüllend, knurrend und flehend – so stemmte er sich in der KuSch gegen die um sich greifende Allgemeinverblödung.  Lesen Sie hier, wie Helmut Blecher, freier Mitarbeiter des Herborner Tagebaltts, den Abend erlebte:

Eigentlich gab es bei Malmsheimer nichts zu lachen. Doch der mit Mutterwitz gesäugte Tycoon der Alltagsbeobachtung – „Lassen Sie mich durch, ich bin Steuerberater“ – verstand es wunderbar, seine kaskadische Wort-, Satz- und Gedankenflut mit so viel prächtigem Irrsinn und realsatirischem Wahnsinn zu füllen, dass man nicht umhinkam vor Freude zu brüllen. Den Meister störte es angeblich zwar, dennoch wurde seine Fabulierlaune dadurch in keinster Weise eingetrübt.

Der Bochumer, der ungerne fliegt und noch weniger bereit ist, in See zu stechen, hat sich von seiner Frau zu einer Busreise nach Venedig nötig lassen. Ein Alptraum, für ihn, hat er es doch im Knie. Seltsame Lebensformen, die sich in den Bus zwängen, erhöhen die „gefühlte Arschlochdichte und Idiotenkonzentration“. Und neben der „Sackgesichtsüberfülle“ machen sich auch unangenehme Gerüche aus mit Kartoffelsalat gefüllten Tupperware-Dosen breit.

Nur gerüstet mit dem Schwert der Poesie, träumt und halluziniert er so gegen die „Kratzbackendurschseuchung“ auf engstem Raum an. Unter Verzicht auf jegliche Pantomime – höchstens ein paar Gesten der augenrollenden Verwunderung – lässt der Autor sich in einen unruhigen Schlaf fallen. Im Traum lässt er nicht nur die Stationen seiner Kindheit und Jugend Revue passieren – „Ich habe rechtzeitig die Schule verlassen, um nicht meinen eigenem Kindern begegnen zu müssen“ – sondern erweckt auch die Helden seiner Jugend zu nicht ganz werkgetreuem Leben.

Den Dogen lässt Malmsheimer dazu „questo e quello“ (dies und das) sagen“, während er sich selbst fragt, wo seine Frau, die sich von ihrem Hartschalensitz entfernt hat, abgeblieben ist. „Hat sie sich möglicherweise in Inge Meysel verwandelt?“

Die urkomische Reise des Jochen Malmsheimer, die ihn vorbei an „Olpe Sieben und dem Soest der „Liebe“ schließlich ans Ziel führt, lässt nichts aus, um dem menschlichen Schein und Sein mit hemmungsloser Albernheit und nachdenklicher Kritik die Sporen zu geben. In bester Loriot-Manier fährt er dabei ein TV-Talkrunde auf, die über den „Canyon Bill-Dung“ schließlich zu der Erkenntnis kommt, dass Bildung das ist, was man weiß“.
(Fotos: Gert Fabritius)

 

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

helmut-blecher

Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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