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Stefan Danziger und Sebastian Hahn waren die beiden Protagonisten am dritten Spieltag der Kabarett-Bundesliga in der Herborner KulturScheune (KuSch). Danziger holte sich letztlich knapp den Tagessieg.

Stefan Danziger, gebürtiger Dresdner und vier Sprachen sprechend, ist Berliner, und das ist gut so. Tagsüber arbeitet er nach wie vor gelegentlich als Stadtführer, abends mischt er gerade die deutsche Comedy-Szene auf.

Unaufgeregt, scharfsinnig und augenzwinkernd – wer müde Kalauer und abgedroschene Pointen sucht, ist bei ihm falsch. Der „Herr Führer“, wie ihn so mancher Tourist-Teen nennt, erweist sich als schlagfertiger Chronist der Absurditäten und Widersprüche des Alltags und überzeugt zugleich noch als hervorragender Historiker.

So entlarvt er mal nebenbei braune Dumpfbacken, die Sätze wie „Ick muss jeden Tag malochen jehn. Ick werd‘ noch meschugge“ parlieren, ohne zu ahnen, dass sie sich dabei des jiddischen Wortschatzes bedienen.

Sein ostdeutscher Migrationshintergrund blitzt nicht nur auf, wenn er die legendäre Pressekonferenz Günter Schabowskis kurz vor Öffnung der innerdeutschen Grenze humorvoll seziert. Die DDR, zumindest aber der Mauerbau hätte seiner Meinung nach eh vermieden werden können. „Die Deutschen sind so gesetzestreu, da hätten statt der Mauer auch auf Rot gestellte Ampeln genügt, um die DDR-Bürger vom Grenzübertritt abzuhalten“, stellt er augenzwinkernd fest.

Sebastian Hahn, jung, pfiffig und ob seiner Figur mit einer gehörigen Portion Selbstironie ausgestattet, präsentierte sich als Poetry-Slammer, der gerne auch mal um die Ecke denkt und sich dabei den Blickwinkel des „Jungen vom Land“ auf das große und kleine Weltgeschehen bewahrt. Heraus kommt seine ganz eigene wunderliche Weltsicht.

Wie kann ich dem „System Sanifair“ entkommen, das scheinbar alles Logische ad absurdum führt? Was passiert nach einem Sturz auf einem Bahnsteig, wenn die Bahnbeamten den Gestürzten eindringlich dazu auffordern: Sie dürfen hier nicht liegen!? Wie geht man als Mann mit einer Männergrippe um, die eigentlich längst vorbei ist? Fragen, die die Welt bewegen.

Okay, vielleicht nicht die ganze. Aber zumindest das Mikro-Universum von Sebastian Hahn, der am Ende überzeugte, aber dennoch knapp den Tagessieg verpasste.
(Fotos: Gert Fabritius)

 

 
Autor
Jörg Michael Simmer

jms2016

Jörg Michael Simmer ist seit 2001 Vorsitzender des Vereins "Herborner Heimatspiele e.V.", dem er seit seiner Gründung 1990 angehört. Er ist für die Programmzusammenstellung in der Kulturscheune verantwortlich und seit 1984 aktiver Schauspieler.
 

 

 

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