Tim Boltz4

Humorvoll und herrlich verrückt, war das, was der Literatur-Comedian Tim Boltz seinen Zuhörern im Rahmen des Mittelhessischen Kultursommers in der Herborner Kulturscheune servierte.

Während draußen vor der Tür die Tropennacht vor sich hin brutzelte, las und spielte der Frankfurter Autor in dem geradezu angenehm temperiert wirkenden Kleinkunsttempel Geschichten aus seinen Erfolgsromanen „Weichei“, „Nasenduscher“ und „Linksträger“.

„Rüden haben kurze Beine“, hat Tim Boltz seine Lese-Show betitelt, in der es um Alpha-Rüden und dominante Weibchen geht. Und seine Romanfigur, das Weichei Robert Süßemilch, der in der Welt der Til Schweigers einfach mithalten kann, wäre doch so gerne ein echter Macho. Mit Lügen redet er sich die Welt schön und hofft irgendwann auch einmal auf der Gewinnerseite zu stehen.

Tim Boltz lässt seinem Antihelden mit großartigem erzählerischen Witz und viel Gespür für dramatische Spannung die aberwitzigsten Alltagsabenteuer bestehen. Wie der Amateur-Gigolo Robert als Freizeit-Gigolo bei einer Tanz-Party seine Traumfrau Jana kennengelernt und sie versucht mit einer Kapitänsuniform als Pilot zu beeindrucken, das bereitete dem überwiegend weiblichen Publikum - hörbar gut - viel Vergnügen.

Die Art wie Tim Boltz seine Romanfiguren auf der KuSch-Bühne zum Leben erweckte, das hatte echtes Kino-Format. Man roch förmlich die grünen Klosteine, mit denen Robert Süßemilch seinen Schweißgeruch negierte, litt mit bei seinen akrobatischen und daher schmerzhaften Tanzversuchen und freute sich mit ihm, über das Ende seiner Pechsträhnen.

Mit feinster Situationskomik schlüpfte der Erfolgsautor in die Rollen seiner Romanfiguren. Man war hautnah dabei als Robert Süßemilch eine öffentliche Weinprobe mit Jean Pütz als Moderator sturzbetrunken bewältigt oder als blinder Nasenduscher mit einer schwulen Katze als „Führhund“ auf Kreuzfahrt ging und beim Landgang die gesamte Border Control Südfloridas auf den Plan rief. An Skurrilität und grandiosem, durchaus wahren Witz, waren seine Erzählungen nicht zu überbieten.    

Schonungslos sprach Tim Boltz das aus, was wir alle kennen, und doch nie zugeben wollen: dass Männer schlechte Lügner sind und Frauen daran schuld sind. Neben Passagen aus seinen Romanen trug er eigens für sein Bühnenprogramm geschriebene Gedichte vor, in denen u.a. ein mordlüsterne „Kindergarten-Pate“ und ein Dackel mit zu kurzen Beinen, der eben nicht den „Längsten" hat, die Hauptrolle spielten. Wilhelm Busch und Heinz Erhardt fanden hier, eine Spur böser und gemeiner zueinander.

Tim Boltz, Besucher-technisch ein Opfer der Sommernacht und der allgemeinen Ferienstimmung, zeigte in der KuSch alles, was man für ein flockiges, intelligentes und gesellschaftlich relevantes Unterhaltungsprogramm braucht. So einer wie er hat es verdient, sich hierzulande bald wieder einem größeren Publikum vorstellen zu können.

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

helmut-blecher

Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

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