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Emil Steinberger
Kabarett  ~  Freitag, 25.05.2012 20:00 Uhr

Emil Steinberger: Drei Engel

Die Entstehung der KulturScheune 2004 – der Final Countdown

Herborn, im Hochsommer 2004:

Der Countdown läuft. Was geht, was geht nicht?! Das Dach ist am 8.8. dicht, der Estrich nicht. Fliesen zur Eröffnung? Bis Ende des Monats besteht der Optimismus: “Wir schaffen das” – aber dann? Keine Chance! Der Keller wird fertiger und fertiger, der graumellierte Herr ob seiner erzwungenen Bauleiter-Tätigkeit auch…
Der Innenausbau nimmt Formen an, böse Zungen sprechen von einer Fabrikhalle. Der Vorsitzende muss beschwichtigen: “Abwarten, bis die Dekoration kommt!” Tag um Tag vergeht, ohne dass sich Überragendes tut.

 

Herborn, 14 Tage vor der Eröffnung:

Sie sind da! Wer? Unsere Erntehelfer, pardon, das “Kampfgeschwader”, wie ein prominenter Mitarbeiter der uns begleitenden Baufirma die Teilnehmer des internationalen Workcamps zu bezeichnen pflegt. Die Scheune wird international: Hilfe aus Japan, Finnland, Russland, Tschechien, Holland, Deutschland und Jordanien trifft ein und erweist sich rasch als unentbehrlich. Ohne die 13 jungen Damen und Herren aus aller Welt wären diverse Schalungsbretter nicht pünktlich fertig geworden und sähe der Keller anders aus. Und das alles, obwohl sie sich wahrscheinlich eine etwas andere Arbeit vorgestellt hatten. Thank you guys for the big help and support during the last two weeks!!!

 

Ansonsten räumt es jetzt Tag für Tag rund um die Scheune. Das Vordach nimmt langsam seine heutige Gestalt an. Wir hätten es ja gerne schön gemacht, aber wir durften nicht, wie wir wollten…

 

Herborn, die letzten Tage:

Die Küche – sie bleibt heute kalt, aber auch leer. Die Inneneinrichtung kommt nicht rechtzeitig. Aber: Ein Geschirrspüler soll die Stellung halten.
Fliesen? Im Treppenhaus kann man erahnen, wie der Fußboden im Saal hinterher aussieht. Mehr geht nicht.
Vorhänge? O.K. Weg mit dem Perfektionismus. Zeit für Markus und zauberhafte Provisorien mit Siemens-Lufthaken…
Technik: Das Stichwort lautet hier: Minimalkonfiguration. Was da sein kann, ist da…
Türen: Wann wird’s in der Hütte endlich dicht? Hilfe, Herr Danz!!!
Das Foyergebälk: Was? Das soll so aussehen? Schöne Sch… Grün, natur, grau – es lebe die Farbenvielfalt. Egal! Kriegen wir schon. Alles wird gut – aber später…
Das Foyerglas: Genial!!!!!
Die weiße Schalung: Hallo? Bleibt das Loch im Dach? Wie? Der Chef hat sich vermessen? Schlechter Scherz! Na gut. Hallo Kampfgeschwader! Einmal streichen!

 

Herborn, noch 36 Stunden:

Außenlanlage: Ja, wie? Was ist denn das? Pflasterer? Natursteine? Auf’m Melkschemel? Kurzfristig besorgt. Aha. Und wie die loslegen. Wahnsinn!
Was ist denn das? “Leck mich am Arsch!!!” Ach so, Detlef der Baggerfahrer ist wieder aus dem Urlaub da…
Die Toiletten: Hilfe, wo sollen denn die Leute aufs Klo gehen? Keine Waschbecken, keine Schüsseln und Urinale?? O.K. Crash-Kurs für Anfänger – selbst sind die Mitglieder!!! Und wahrhaftig: Die Spülung funktioniert.

 

Die Kabelkönige: Rote Lampen aus Bad Nauheim? Die hängen alle und funktionieren? Toll! Die Wandbeleuchtung, geht? Wahnsinn! Schalter und Stecker sind schon dran. Hammer! Notbeleuchtung ist da? Doll! Sonderwünsche der Heimatspieler? “Wir grummeln nur nach innen”, sagt der Chef und arbeitet und arbeitet und arbeitet. Wie wäre es mit diesem Slogan: “Kauß und Christ – da weiß man, dass es gut ist!”
Hitzestau: Mann, was ist das plötzlich warm! Ach so, Herr Danz hat die Türen drin! Halleluja – und die Fußbodenheizung brummt und brummt. Ist doch gleich was ganz anderes…
Dekoration: Stühle, Tische, Bilder – im Baustellen-Chaos legen wir Wert auf die Feinheiten. So sind wir eben, gelle?! Die Wände bekommen “Gesichter”.

 

 

   

Herborn, der letzte Tag:

In der Scheune wird gesaugt, gepinselt, gerührt, gespachtelt. Hier soll heute Abend die Eröffnung stattfinden? Ist ja fast wie im großen Theater…
Emporenfenster, Außenglastür, Küchentür – alles wird gut…
Und der Vorhang? Herr B aus H. muss erst noch die Reithalle dekorieren, aber nachmittags ist ja auch noch Zeit…

 

Und dann: 19 Uhr die Gäste kommen. 19.30 Uhr, es geht los. Und wir? Wir haben’s wieder mal fast allen gezeigt, die schon Wetten gegen uns abgeschlossen hatten…

 

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