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Emil Steinberger
Kabarett  ~  Freitag, 25.05.2012 20:00 Uhr

Emil Steinberger: Drei Engel

Die Entstehung der KulturScheune von 2003 bis 2004

Herborn, Januar 2003:

Erste Excel–Dateien des Kollegen Rolfes geraten in Umlauf. 20–Jahrespläne sind für ihn ein Klacks!
Fazit einer der vielen Finanzausschusssitzungen ist – wie soll es anders sein – “Wir brauchen Geld, und zwar jede Menge.” Also wird beschlossen, zunächst zu versuchen, die Mitglieder so zu begeistern, dass sie bereit sind, für dieses Vorhaben eine separate Spende locker zu machen. Außerdem wollen wir versuchen noch andere Sponsoren außerhalb unseres Vereins zu finden.

 

Fest steht, dass wir wenn wir eine solche “unternehmerische Entscheidung” treffen wollen, zunächst in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung unsere Mitglieder weiter informieren, auf den derzeitigen Stand der Dinge bringen und um eine Entscheidung bitten müssen. Diese Mitgliederversammlung wird auf den 14. Februar 2003 festgelegt.

Markus wünscht sich jetzt auch Öffentlichkeitsarbeit, allerdings müssen wir “die Bälle flachhalten” denn wir wollen ja ein Vereinsheim bauen und keine Stadthalle. Der Name “Kulturscheune” wird in diesem Zusammenhang wieder als treffend festgestellt.

 

Herborn, im Februar 2003:

Es wird viel passieren!!! So ist der Vorsitzende guter Hoffnung. Nach einem Treffen mit Frau Müller–Mollenhauer spekuliert man mit 40000 Euro Zuschuss-Summe. Der Verein lernt, dass Gespräche beim Architekten H. Fuchs immer etwas länger dauern. Im Protokoll vom 11. Februar ist ausdrücklich der Zeitraum 2,5 Stunden erwähnt. Zudem machen wir die Erfahrung, dass man bei Frau Müller–Mollenhauer Termine für Telefongespräche festlegen muss. Es laufen erste Spendenzusagen aus der Wirtschaft ein, Bausteine und Stühle sind in der Diskussion, und nach einem Kreativtreffen des Bauausschusses mit Sven Rolfes, einem Mann vom Bühnenfach, schwirren plötzlich Materialklappen und andere bahnbrechende Dinge durch die Gedankenwelt.

 

Herborn, der Frühling kommt!:

Die Kosten sind mittlerweile auf 450000 Euro gestiegen. Eine Powerpointpräsentation im Turnerheim soll am 7. März in der kurzfristig verschobenenen Jahreshauptversammlung überzeugen helfen. Das klappt, denn mit 37 Ja–Stimmen, vier Enthaltungen und einer Gegenstimme stimmt das Gremium zu, lässt sich allerdings bis zu einer weiteren Mitgliederversammlung im Juni ein Rücktrittsrecht offen. Erstes Etappenziel geschafft!

 

Herborn, Geschichte wird gemacht!:

Nach der denkwürdigen Entscheidung im Turnerheim am 7. März 2003 ist am 16. April absehbar – die Mitgliederzahl boomt. 20 “Neue” sind schon eingetreten, Tendenz steigend. Wir beschließen, Beleuchtungsequipment zu erwerben und auf dem Spendenkonto für die Scheune sind 7000 Euro. Wir überziehen die Menschheit mit einer Werbekampagne für die Scheune, wollen bei der Sportgala, beim Bärenbrunnenfest sowie bei “Dilltal radelt” Bausteine verkaufen. Wir müssen die Satzung ändern, was am 27. Mai geschieht. Sachspenden laufen ein, Geld fließt auch – nur die Baugenehmigung fehlt noch. Am 13. Juni 2003 wird der Kaufvertrag unterzeichnet, am 25. Juni wird der Antrag an die IBH auf Bezuschussung gestellt. Keiner ahnt zu diesem Zeitpunkt, was da noch folgen wird.

 

Zunächst einmal folgt die zweite Außerordentliche MGV des Jahres im Schalander, wo es um den endgültigen Beschluss pro oder contra in Sachen Scheune geht. Scheinbar müssen wir sehr überzeugend gewirkt haben, denn nach der Entscheidung ohne Gegenstimme ist eine Art Aufbruchstimmung spürbar.

 

Während der Aufführungen zum Sommerstück 2003 passiert einiges: Auch wenn wir den Bewilligungsbescheid der IBH überreicht bekommen – der Zuschuss ist massiv gefährdet, da eine Passage im Kaufvertrag behördlich als Baubeginn gedeutet wird, was nicht sein darf und der Bescheid somit ungültig ist. Die Korrekturen sind jedoch – auch durch massive Hilfe der Kanzlei Accedis – bereits eingeleitet. Zudem müssen wir das Projekt öffentlich ausschreiben, denn: Statt der ursprünglich angedachten 40000 Euro, haben wir den größten jemals an ein privates Projekt fließenden Zuschuss des Amts für Regionalförderung vor Augen, der schlappe 205000 Euro beträgt.

 

Ganz verschämt wird der erste Spatenstich auf Ende September terminiert, hingegen hofft man auf ein Eröffnungswochenende im August 2004, das mit einem “Knaller” beginnen soll.
Die Vorarbeiten zur Ausschreibung für die Scheune laufen, im Protokoll vom 9.9.2003 wird vermutet, dass wir “vor Ende Oktober/Anfang November nicht mit dem Bau beginnen können”. Daran wird auch ein neues Organigramm zur Bauphase nichts ändern, das an diesem Abend das Licht der Welt erblickt. Das Gärtnerhaus können wir derzeit nicht kaufen (jetzt isses leider weg!).
Ganz nebenbei streckt der Konzert– und Theaterring die Fühler nach uns aus und strebt eine gemeinsame Kulturkonzeption an.

 

Spannend war auch der Besuch auf der Kulturbörse “Spot” in Osnabrück, nachdem wir zuvor und auch danach auch die Internationale Kulturbörse in Freiburg besucht haben (man muss ja als Veranstalter auch die Künstler kennen).
Für den 20. August 2004 wird eine Musical–Gala geplant – denn die Scheune soll ja mit einem “Knaller” eröffnet werden. Schöner Witz…
Am 21. Oktober findet die Submission der öffentlichen Ausschreibung und am 31. Oktober der größte Fake der Menschheitsgeschichte statt – die Grundsteinlegung. Selten wurde ein “NICHTS” so elegant in Szene gesetzt wie an diesem Tag! Denn: An der Scheune tut sich nichts, es deuten sich Kommunikationsprobleme zwischen den Behörden an.

 

Bevor nämlich alle ein friedliches Weihnachtsfest angehen können, werden am 20. Dezember im Herborner Rathaus alle Behördenvertreter und sonstige mit dem Bau beschäftigte Menschen innerhalb von zwei Stunden zu einem Krisengespräch versammelt, das einen klaren Zeitplan bis zum Baubeginn und endlich einheitliche Begrifflichkeiten zum Ergebnis hat. O.K. – gebaut wird deshalb trotzdem noch nicht – aber es ist gut, dass man mal drüber geredet hat!!!!!!!!

 

Es wird ein KUSS geboren, der hier aber nicht weiter thematisiert werden soll.
Zuvor jedoch konnten wir uns über ein echtes Schnäppchen freuen: In Bad Nauheim konnten wir dank Peter Lehr, Thomas Fritsch und einem Schuss Spontaneität bereits Anfang November Lampen, Stühle, Tische etc. aus einem abzureißenden Schulungszentrum der Landesärztekammer sichern.

 

Während der Vorsitzende und die Zeugwartin im Januar nach Indien reisen, sind sie in Gedanken bei der Vorstandssitzung am 20. Januar. Dort kann Helmut “grünes Licht” aus Wetzlar vermelden, was den Bescheid zwar sichert, aber immer noch keinen Baubeginn zur Folge hat.

 

Am 4. Februar heißt es im Protokoll: “Es ist davon auszugehen, dass nun der 9.2. als Baubeginn feststeht.”,. Zu früh gefreut, denn es dauert noch bis 14. Februar, ehe etwas passiert. Noch deutlicher wird es am 3. März: Der Satz des Abends stammt von AJ: “Das Dach ist ja weg”, merkt sie bei Helmuts brandneuen Abbruchbildern der Scheune.

 

Herborn, es geht voran:

Wir lernen dazu: Das 11/5–er Mäuerchen ist ein alter Hut. Ins Zentrum der Überlegungen geraten Begriffe wie Gassenvorhänge, Kernlochbohrungen oder Leimholzbinder. Aus böhmischen Dörfern werden verinnerlichte Baufachbegriffe…
Die Vereinsstrukturen müssen sich dem Projekt Scheune anpassen. Der graumellierte Herr R. aus M. steigt zum Geschäftsführer auf. Im Rahmen der Jahreshauptversammlung wird zudem ein Wettbewerb zum “Fein–Tuning” des Begriffes Kulturscheune ins Leben gerufen.
Bautechnisch gibt es abenteuerliche Vorstellungen. Streiche drei, setze drei, werf eine um und freu dich drum – so könnte man mit Blick auf die alten Wände der Scheune sagen.
Im April ist die Bodenplatte des Kellers gegossen, die Wände stehen. Im Protokoll der Vorstandssitzung entfällt der obligatorische Punkt: “Neues vom Bau”.

 

Sehr lustig mutet der Blick auf das Ergebnis des Vorstandstreffens vom 5.5. an: “Die grobe Planung, Ende Mai das Richtfest zu feiern, muss noch nicht geändert werden!” Am 26. Mai rechnet der Vorsitzende laut Protokoll erst “in drei Wochen” mit dem Richtfest. Es soll nicht die letzte Korrektur werden.
Gespräche mit Architekt und Statiker sorgen nicht für Ruhe, da es um die leidige Geschichte der Dachkonstruktion geht. Dort soll im übrigen auch eine Solaranlage angebracht werden. Aber: Nachdem alles in trockenen Tüchern ist, muss dieser Plan aus statischen und zeitlich–planerischen Gründen wieder gecancelt werden.

 

Ach ja: Das Richtfest… Die Geschichte der “Binder” ist eine Geschichte voller Missverständnisse… Die riesigen Teile sind (aufgrund von kommunikativen, technischen und sonstigen Problemen) seeeeeeeeeeehr lange unterwegs. Nachdem aus Trier am 22.7. per Fax eine Lieferung erst Ende der KW 33 bestätigte wird, müssen wir uns mal einschalten. Und, oh Wunder, am 6. August erreichen die vier großen Fachwerkkonstruktionen endlich ihren Bestimmungsort in der Au.

 

Spätestens jetzt hat sie begonnen: Die Zeit, in der der frischgebackene Geschäftsführer der Heimatspieler zum Bauleiter mutiert. Wochenpläne in der Koordination der Gewerke werden erstellt und wieder umgeworfen. Hiobsbotschaften diverser Handwerker verkraftet (“Ei so geht das doch net”) und trotzdem ein unerschütterlicher Optimismus verbreitet, dass “alles gut wird”. Aufregungen über Kanalanschlüsse, äußerst komplizierte Stadttore und sonstige hausgemachte Nebenkriegsschauplätze gilt es zu meistern und bei allem soll man immer ruhig und ausgeglichen sein.

 

Dass am 20. August fast 1000 Gäste Zeuge einer gigantischen Musical–Gala auf der Baustelle sind, sei hier nur am Rande erwähnt…
Hier, wie auch bei kurzfristigen Streichkommandos, können wir uns auf bis zu 50 Mitglieder verlassen, die kurzfristig zum “Schaffen” anrücken. Allerdings: Die Firma Nickel versteht die Welt nicht mehr: “Gibt’s bei euch nur Frauen im Verein?”, fragt Michael ratlos ob der weiblichen Übermacht.

 

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