Kuriose Mixtur aus grobgewirktem Spaß und liebevoll gestrickter Poesie
Freitag, 10.02.2012 ~ Autor: Helmut Blecher ~ Keine Kommentare
Drei Stunden Nonsens pur, da wurde selbst die schlaffesten Lachmuskulatur auf Arnold Schwarzenegger-Format gebracht. Das Kunststück brachten zwei eher schmächtige Twens aus dem sächsischen Riesa fertig, die bei ihrem zweiten Auftritt in der KuSch das Publikum mit surrealsatirischen Sprachwitz, durchgeknallter Komik und konsequent aneinander vorbeispielender „Grobmusik“ bei der Stange hielten.
Ein antike Stehlampe, neben der Schießbude von Christoph Walther alias Cordula Zwischenfisch aufgestellt, suggeriert gemütliche Wohnzimmeratmosphäre. Doch dahinter brodelt das Chaos, bricht sich unglaublich schräges Geschehen Bahn. Die gesamte Band Zärtlichkeit mit Freunden, die allerdings nur noch aus Gitarrist Stefan Schramm (alias Ines Fleiwa) besteht, ist in einer Mission unterwegs, um „ein Lächeln auf die gegerbten Gesichter der tapferen Bewohner der strukturschwachen Region um Herborn zu zaubern“. Und das gelingt den „Zuzweitunterhaltern mit schlichtem Gemüt“, die den Probenraum auf die Bühne holen, um bekannte Hits, wie die im Zeitlupentempo aufbereite David-Hasselhoff-Nummer „Looking For Freedom“ zu spielen, einfach prächtig. Selbst Wayne’s World und Helge Schneider haben bei solcherlei schrägem Tun als „Musik-Kasperettisten“ das Nachsehen.
Ihr aktuelles Programm „Das Letzte aus den besten 6 Jahren“ ist wirklich so ziemlich das Letzte, ist wie Flaschenwebgringen: unglaublich banal, purer Nonsens und „Träsch“. Sechs bis acht Lieder legen sie vor, die bis auf ihr Cowboylied „County Roads“ nur kurz angespielt werden. Der Rest der Zeit geht für Abläufe und kuriose Zwischenmoderationen drauf, die der mit dem Künstlernamen Cordula Zwischenfisch Christoph Walther an seinen Partner Ines Fleiwa richtet: „Ich fang an, du hängst dich mit drauf. Bis dann.“
Stolz führt Cordula Zwischenfisch seine neuen Errungenschaften, eine Sound-Maschine und seine E-Drum, die er von den Flippers erworben hat, vor. Sie sollen Stücken, wie dem langsamen Walzer von Henry Maske oder dem bekannten Umbau-Lied „Umbau ja, my Lord“ mehr Drive geben. Dabei spielt das Duo konsequent aneinander vorbei. Die absichtliche Arhythmik ist stellenweise schier atmenberaubend. Einzig bei der Auswahl seiner von ihm liebvoll „Knüttel“ genannten Trommelstöcke zeigt Cordula Zwischenfisch pedantische Akkuratesse. Und in der Rolle als gealterter Las-Vegas-Zauberer Fred Astör erweist er sich als Könner höchst affektierter Posen, während sich Ines Fleiwa mit seiner schief sitzenden blonden Perücke als Gitarre-spielender Stichwortgeber und Counterpart in Szene setzt.
„Es müsste vielmehr lebensbejahende Musik gespielt werden“, verkündet Cordula und meint mit ehrlicher Lust am schrägen Spaß einen Sound der so klingt, wie „Nutellaschnitte mit Elekroschocks“. Und weil’s in der ländlichen Region um Herborn gut ankommt, spielt man auch etwas Country. Die Jungs haben eine echte „Aurora“ um ihren Kopf, aus dem auch das aktuelle Weltgeschehen heraus purzelt, wie die „scheckheftgepflegten Jahrespanzer aus dem Nachlass von Charlton Heston“ für Griechenland.
Mit schier unglaublicher Schamlosigkeit und dem naiven Charme einer Schüleraufführung treiben Zärtlichkeiten mit Freunden den Spaß auf die Spitze. Ihre kasperetthaften Nummern, die das sich stets gerne streitende Duo vorlegt, sorgen in der KuSch für nicht enden wollende Lachanfälle, insbesondere als Cordula Zwischenfisch den sächsischen Dialekt des Chemnitzer Bürgermeisters ins Mikrofon bellt und mit Heliumstimme einen japanisch Sumo-Ringer mimt, der mit Hilfe einer Mitsubishi-Orgel das brüllende Publikum ins Land der Ekstase entführt, das im ersten Moment nicht weiß, wie ihm geschieht.
Die zwei Spaßbomben aus Sachsen, die mit der grandiosen Nummer „Krokodil Theofil“ ihre kultige „Mucker-Säschn“ beendeten, bestätigten einmalmehr, dass sie die ultimative Besetzung für Silberhochzeiten, Möbelhauseröffnungen und natürlich für jede Kleinkunstbühne sind.






