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Emil Steinberger: Drei Engel

Feinsinnige Krawallkomik mit Rückgrat

Freitag, 03.02.2012  ~  Autor: Klaus Kordesch  ~  Keine Kommentare

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Der Mann passt in keine Schublade! Wolfgang Trepper hat sich bei seinem fünften Gastspiel in der Herborner KulturScheune mal wieder als ebenso vielseitig wie gegensätzlich präsentiert. Vor nicht ganz ausverkauftem Saal nahm der ehemalige Hörfunk-Journalist bei seinem humoristisch-kritischen Jahresrückblick „Dinner for DU“ zumeist kein Blatt vor den Mund, konnte aber auch äußerst feinfühlig und nachdenklich formulieren, wenn es drauf ankam.
„Political Correctness“ ist Treppers Welt nicht, soviel steht fest: Wenn er sich zuverlässig Feinde schaffen will, dürfte er bei den meisten Showgrößen von Thomas Gottschalk über Florian Silbereisen bis Alfons Schubeck beste Karten haben: Mit herzhaft-derben Worten und oft auch knapp unter der kritischen Stammtisch-Kante hieb Trepper lustvoll auf die Bühnenstars beziehungsweise deren Verfehlungen im Vorjahr ein, zu dem sich im Vergleich zum heute eigentlich außer dem Rentenbescheid von Jopi Heesters nicht allzuviel geändert hat, wie Trepper eingangs seiner Rückschau festhielt. Gottschalk? Nee, er selbst werde auch nicht dessen Nachfolger, um das gleich klarzustellen – aber er könne Berlusconi wärmstens empfehlen, der gehe schließlich auch jedem auf den Sack und packe allen Frauen an die Titten, schoss sich Trepper ein.
Zu Höchstform lief er auf, als er nach der Pause vergnüglich Spott und Häme angesichts der „Kreativität und Schaffenskraft“ der „Flippers“ über diese Vertreter der volkstümelnden Musik ausgoss, die „42 Jahre lang Deutschland terrorisiert“ hätten: „Da war die RAF doch `n Scheißdreck gegen!“ Zum Beweise zeigte er rund ein Dutzend Tonträger der „Flippers“  vor, auf denen sämtlich „Weine nicht, kleine Eva“ und „Die rote Sonne von Barbados“ veröffentlicht war. Textkritisch widmete sich Trepper zum größten Vergnügen seines Publikums den „inhaltlichen“ Aussagen von „Lotusblume“ und „Mexiko“, wobei er zunächst seinem Abscheu freien Lauf lassen konnte – um dann entrüstet beim Abspielen der Liedpassagen feststellen zu müssen: „Da singen die hier mit!“
Als polternder Ewiggestriger, der sich über die Zustände in der SBZ, der DDR und den ja nun auch schon seit 22 Jahren „neuen“ Bundesländern mokierte, punktete der Krawall-Komiker ebenso wie als Musikantenstadl-Hasser, Elektro-Zigarettenraucher und „Smartphone-auf-die Gabel-Knaller“. Natürlich bekam auch die Politik ihr Fett weg: Von „Monchichi-Äffchen“ Philipp Rösler und Christian Wulff („Ein Mann, der spricht wie Willi bei Biene Maja, kann kein schlechter Mensch sein!“) über Westerwelle („Der vertritt uns im Ausland – die denken bestimmt, wir sind alle so!“) kamen alle dran – bis hin zu Christian von Boetticher, dem Ex-CDU-Chef in Schleswig-Holstein, der den Fehler begangen habe, wegen seiner Affäre mit einer 16-Jährigen seinen Facebook-Status von „verheiratet“ auf „Blümchen-Sex“ umzustellen. „So jemand weiht doch auch Schulen ein“, überlegte Trepper: „Da hätten die Abiturientinnen aber gestaunt, wenn die First Lady zwei Jahre jünger ist als sie!“
Wie ausgewechselt war Trepper nach seinem Witz über die V-Männer in der Nazi-Szene, als er von einem Übergriff einiger Faschisten auf zwei Farbige in Hamburg berichtete und Hanns Dieter Hüschs nachdrückliches Manifest gegen Rechtsradikalismus und Ausgrenzung, „Das Phänomen“, zitierte. Seitdem er das im Programm habe, bekomme er Drohmails, aber er werde sich den Mund nicht verbieten lassen, stellte er entschieden klar, und erstaunlicherweise klatschten weniger Besucher Beifall als eine Stunde zuvor, als er sich über braungefärbte „Pflaster für Neger“ ausgelassen hatte – mit Aufklebe-Anleitung auf der Packung, „weil der dumme Bimbo kapiert das ja nicht“. Ähnlich still und nachdenklich wurde Trepper am Schluss anstelle einer Zugabe, als er einen Traum schilderte, in dem er nach und nach seine teils längst verschiedene Verwandtschaft um die Kaffeetafel versammelte, die ihn so habe werden lassen wie er heute sei. Und das akzeptierten die Gäste in der KuSch: Der Mann spricht Klartext nicht unbedingt für den Hörsaal, aber er hat Rückgrat und Anstand trotz aller Schimpfwörter und Kraftausdrücke. Und er sammelte nach dem Auftritt Spenden für einen von der Schließung bedrohten Duisburger Kindergarten.

Über den Autor: Klaus Kordesch

Klaus Kordesch

Klaus Kordesch arbeitet in der Pressestelle des Ev. Dekanats Gladenbach und ist fester Freier Mitarbeiter der heimischen Tagespresse. In dieser Eigenschaft berichtet er vor allem über das Geschehen rund um Herborn.

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